Second
Regional Conference for
South East Europe
Bucharest,
October 25-26, 2001
Erklärung
des Sonderkoordinators des Stabilitätspakts für Südosteuropa
Bodo Hombach
anläßlich der Eröffnung der 2. Regionalkonferenz für
Südosteuropa
25./26. Oktober 2001
in Bukarest
Englische
Version
Sehr geehrte
Minister, Exzellenzen, Partner im Stabilitätspakt,
das Signal von
Bukarest muß lauten: Südosteuropa bleibt auf der Agenda der
internationalen Politik. Die neuen Prioritäten der Weltpolitik
führen nicht dazu, daß die alten Herausforderungen und Probleme,
die wir in diesem Teil Europas identifiziert haben, nicht
wahrgenommen und gelöst werden. Klar ist: Wer morgen Frieden und
Stabilität in ganz Europa haben will, muß heute in Südosteuropa
nachhaltig investieren, in seine Menschen, in seine Demokratien, in
seine Wirtschaft, in seine Sicherheit.
Ich danke allen, die
am Zustandekommen dieser Konferenz mitgearbeitet haben. Mein Dank
gilt insbesondere der High Level Steering Group mit den Mitgliedern
der G 8, der Europäischen Union, den Ländern Südosteuropas und
dem Joint Office von Europäischer Kommission und Weltbank. Mein
persönlicher Dank gilt Chris Patten und Johannes Linn, die sich mit
mir zusammen persönlich für den Erfolg dieser Konferenz und auch
den Veranstaltungsort stark gemacht haben.
Denn dies ist die
erste umfassende Regionalkonferenz für Südosteuropa in
Südosteuropa. Die Symbolkraft ist gewollt. Die Länder
Südosteuropas sind Eigentümer des Stabilitätspakts, eines
Prozesses, der mittel- und langfristig Demokratie, wirtschaftlichen
Wohlstand und Sicherheit in der gesamten Region sichern helfen soll.
Mein besonderer Dank geht deshalb auch an unseren Gastgeber
Rumänien und Ministerpräsident Nastase.
Diese Konferenz wird
auch das Signal senden, daß die Zweibahnstraße, das Grundprinzip
des Stabilitätspakts, funktioniert: Reformen und regionale
Kooperation in Südosteuropa durch die Länder der Region -
großzügige Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft für
diese Anstrengungen. Beide Seiten können mit Stolz auf das
Erreichte verweisen - und ich gratuliere ihnen dazu. Alle Partner
wissen gleichzeitig, daß auf ihrer jeweiligen Seite noch viel zu
tun ist - und ich habe das, sicher manchmal für einige zu grob,
immer wieder angemahnt.
Die Länder
Südosteuropas haben seit dem Kosovo-Konflikt einen großen Sprung
nach vorne getan, nicht nur bei der Einsetzung und Festigung
demokratischer Regierungen. Wenn man die Berichte von Weltbank/IWF
oder der EBRD für diese Konferenz liest, erkennt man auch, daß
erhebliche Reformanstrengungen unternommen und durch
wirtschaftliches Wachstum zum großen Teil auch bereits honoriert
wurden.
Die
Regionalkooperation, die besondere Erfolgsgeschichte des
Stabilitätspakts, hat sich besonders erfreulich entwickelt. Die
Länder der Region haben erkannt, daß sie hierdurch ihre Interessen
bündeln können, grenzüberschreitende Probleme lösen, die
Selbstheilungskräfte aus Südosteuropa heraus stärken und in
besonderer Weise ihre EU-Fähigkeit verbessern können. Ich glaube,
die Ansicht, daß regionale Kooperation als Bremse auf dem Weg nach
Brüssel wirkt und nicht als Beschleuniger, gehört endgültig der
Vergangenheit an. Das hat EU-Kommissar Verheugen noch vorgestern
klar unterstrichen. Und er hat hinzugefügt: "Wenn die Staaten
Südosteuropas der EU beitreten wollen, müssen sie den Beweis
erbringen, dass sie zu regionaler Kooperation fähig sind und ihre
Probleme in Zusammenarbeit mit ihren Nachbarn lösen können."
Aber auch die
Internationale Gemeinschaft hat ihre Seite des Versprechens vom
Stabilitätspaktgipfel von Köln und Sarajewo eingelöst. Das
erfolgreiche Quick-Start-Paket von Brüssel 2000, die Beschleunigung
des Beitrittsprozesses für Bulgarien und Rumänien, der
Stabilisierungs- und Assoziierungsprozeß, der fünf weitere Länder
zu potentiellen Kandidaten für die Europäische Union macht, die
Aufnahme Moldovas in den Stabilitätspakt, sind die Nagelprobe auf
die Ernsthaftigkeit der Internationalen Gemeinschaft, die
Bemühungen der Länder Südosteuropas uneingeschränkt zu
unterstützen.
Ich bin überzeugt,
daß auch das Ergebnis dieser Konferenz diese Aussage klar
unterstreichen wird.
Aber wo Licht ist,
ist auch Schatten. Beide Seiten hätten sich häufig gewünscht,
daß die andere Seite schneller liefert. Dies gilt für die
Stärkung der demokratischen Institutionen, die Verbesserung des
Investitionsklimas und der inneren Sicherheit in den Ländern
Südosteuropas. Auch die Entwicklung in Mazedonien war für alle von
uns ein großer Rückschlag.
Auf der anderen Seite
will ich anmerken, daß der gemeinsame Ansatz gegenüber den
Ländern Südosteuropas, zu dem sich die Internationale Gemeinschaft
im Stabilitätspakt verstanden hat, immer noch kein Selbstläufer
ist. Wir müssen in Europa, aber auch mit der G 8 und allen anderen
Partnern weiter intensiv daran arbeiten.
Häufig fehlt es
nicht am politischen Willen und der Einigkeit mit Blick auf die
gemeinsamen Ziele. Wir müssen die schnelle Umsetzung von Zusagen zu
einem Teil dieser politischen Einigkeit machen. Im Deutschen gibt es
hierfür ein Sprichwort, dessen Charme sich in der Übersetzung
vermutlich nur teilweise erschließt: "Es gibt nichts Gutes,
außer man tut es." Sonst wird aus der Aufwärtsspirale von
Hoffnung und Zuversicht, die ich in Südosteuropa sehe, eine
Abwärtsspirale von Enttäuschungen und Resignation.
Dies gilt
insbesondere für Fälle, bei denen sich auf beiden Seiten
unvertretbare oder unvertretbar lange Prozeduren, die von der
politischen Führung nicht gedeckt sind, zu einem gordischen Knoten
verwickeln, den offenbar niemand durchzuschlagen weiß. Die Räumung
der Donau in Jugoslawien ist ein solcher Fall, bei dem trotz besten
politischen Willens leider noch kein Durchbruch erreicht wurde
Vizepremier Labus hat mir bei meinem Besuch letzte Woche erklärt,
er wolle sich erneut persönlich in die Lösung einschalten. Ich
weiß auch, daß Chris Patten die Sache mit höchster Priorität
verfolgt.
Deshalb war mir so
wichtig, daß wir heute hier auf politischer Ebene zusammentreffen.
Die politische Führung aller Beteiligten muß sich in die Lösung
der Probleme einschalten, damit wir schneller voran kommen, Zusagen
auch eingehalten werden. Und die nächsten zwei Tage werden auch
neue Zusagen bringen. Es war mir ein besonderes Anliegen, daß wir
auf dieser Konferenz nicht nur die Strategien in den prioritären
Bereichen des Stabilitätspakts diskutieren und bestätigen, sondern
daß wir auch Regionalprojekte präsentieren, die bereits ihre
Finanzierung gefunden haben.
Wie die letzte
Finanzierungskonferenz in Brüssel ist dies keine klassische
Pledging-Konferenz. Ich bin dagegen, abstrakte Geldsummen in den
Raum zu stellen. Ich möchte, daß klar ist, wofür das Geld
ausgegeben wird. Nur so kann Transparenz für die Durchführung
geschaffen werden.
Ich bin optimistisch,
was das Ergebnis der Konferenz an allen drei Arbeitstischen
anbelangt. Natürlich wird das Infrastrukturpaket, das vor allem EIB,
EBRD und Weltbank geschnürt haben, zahlenmäßig herausstechen. Ich
danke ihnen besonders für diese Arbeit. Ich erwarte aber auch
starkes Interesse der Gebergemeinschaft für die wichtigen - und
für ein friedliches Miteinander in Südosteuropa
überlebenswichtigen - Bereiche der Arbeitstische Demokratisierung
und Menschenrechte sowie Sicherheitsfragen.
Ein großartiges
Beispiel hierfür bietet die Flüchtlingsrückkehr. Sie wissen, daß
der Stabilitätspakt in diesem Bereich eine Verständigung zwischen
Bosnien & Herzegowina, Kroatien und Jugoslawien, genannt AREA,
herbeigeführt hat. Diese drei Länder allein haben für sich
beschlossen, insgesamt 550 Millionen Euro für die Durchführung von
Programmen in diesem Bereich aufzubringen. Die Internationale
Gebergemeinschaft hat uns gegenüber die Bereitstellung von weiteren
500 Millionen Euro signalisiert. Ich bin überzeugt, daß in diesem
Geiste auch die verbleibende Lücke geschlossen werden kann.
Ein Novum dieser
Regionalkonferenz, das mir in der Vorbereitung sehr am Herzen lag,
ist die verstärkte Einbeziehung des Privatsektors in die
Bemühungen um Wiederaufbau und Stabilisierung Südosteuropas.
Staatliches Geld kann nur der Rahmen sein. Ich begrüße auch, daß
wir am Ende der Konferenz eine Gesamtaufstellung der eindrucksvollen
Unterstützung der gesamten Gebergemeinschaft erhalten werden.
Lassen Sie uns bei
alledem aber nicht das große Ziel aus den Augen verlieren: Die
Europäisierung der Region, die Hineinführung aller Staaten
Südosteuropas in die Europäische Union. Dieses Leuchtfeuer, das
Orientierung gibt, darf niemals ausgehen. Es muß einen
kontinuierlichen Prozeß der Annäherung an die EU geben, der die
Anpassungsleistungen der Menschen, die mit der Übernahme der
Spielregeln der Europäischen Union verbunden sind, honoriert. Die
Europäische Union ist das wichtigste Ziel und gleichzeitig der
wichtigste Motor auf dem Weg zu diesem Ziel für alle Staaten der
Region.
In diesem Sinne
wünsche ich dieser Regionalkonferenz und uns allen viel Erfolg.
Englische
Version
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